27.11.2008

Klimagipfel: Interview mit Prof. Dr. Hartmut Graßl

Rubrik: Energie und Klimaschutz

 

Interviewer: Trierischen Volksfreund 20.11.08

Jahrhundertsommer und milde Winter

 

Dr. Hartmut Graßl, international renommierter Meteorologe, ist Hauptreferent des Regionalen Klimagipfels am heutigen Freitag in Wittlich. Er warnte bereits in den 80er Jahren vor dem Klimawandel und tritt für ein Energieversorgungssystem mit erneuerbaren Energien an erster Stelle ein.

Dr. Hartmut Graßl, international renommierter Meteorologe, ist Hauptreferent des Regionalen Klimagipfels am heutigen Freitag in Wittlich. Er warnte bereits in den 80er Jahren vor dem Klimawandel und tritt für ein Energieversorgungssystem mit erneuerbaren Energien an erster Stelle ein.

 

Wittlich/Trier. (mai) Im TV-Interview mit Redakteurin Marion Maier schildert der Meteorologe Hartmut Graßl, wie sich die Klimaerwärmung in unseren Breiten bereits bemerkbar macht, wie sie zu stoppen ist und was er dafür tut.

  

Welches sind die auffälligsten Auswirkungen der Klima-Erwärmung, die in unseren Breiten schon spürbar sind?

 

Hartmut Graßl: Neue oder häufigere Wetterextreme richten immer größere Schäden an. Skilifte in den unteren Lagen der Alpen werden demontiert, Feuersbrünste in mediterranen Klimazonen sind schon die Norm, Sommerskigebiete sind zur Versicherung für den Winter geworden, Fichten in warmen und relativ trockenen Niederungen überleben die Schädlingsattacken nicht mehr.

 

Mit welcher maximalen Temperatursteigerung in Rheinland-Pfalz rechnen Sie, wenn sich in Sachen Treibhausgas-Emission nicht bald etwas ändert?

 

Hartmut Graßl: Rheinland-Pfalz wird wie Mitteleuropa insgesamt von höheren Erwärmungsraten getroffen als im Durchschnitt, und der Winter mit Schnee wird sich immer stärker verabschieden. Dafür nehmen winterliche Hochwasserlagen wahrscheinlich zu.

 

Wenn 2 Grad Celsius als maximale Erwärmung im globalen Mittel eingehalten werden können (Ziel der EU), dann kommen Sommer wie 2003 (Anmerkung der Redaktion: er wurde oft als Jahrhundertsommer bezeichnet) in einigen Jahrzehnten alle paar Jahre vor.

 

Wann denken Sie werden diese Maximalwerte erreicht?

 

Hartmut Graßl: Die maximale Erwärmung wird nicht im 21. Jahrhundert erreicht, weil auch bei starker Emissionsminderung die volle Erwärmung als Folge der erhöhten Treibhauseffekte erst Jahrzehnte später eintritt.

 

Wie werden die Auswirkungen dieser maximalen Erwärmung aussehen - global und in Rheinland-Pfalz?

 

Hartmut Graßl: Eine Hauptfolge wird die Flucht vieler Menschen zu uns nach Europa sein, weil wir ihnen in ihrer angestammten Heimat die Lebensbedingungen verschlechtern. Aber auch bei uns werden Wälder unangepasst sein und die Landwirtschaft mit sommerlicher Trockenheit kämpfen müssen.

 

 

 

Es gibt auch Wissenschaftler, die an den Vorhersagen zur Globalen Erwärmung zweifeln. Wie gesichert sind die Erkenntnisse zur globalen Erwärmung Ihrer Meinung nach?

 

Hartmut Graßl: Ich kenne nur Nichtfachleute, die dieses tun. Als Wissenschaftler habe ich zunehmendes Wissen bei immer neuen Fragen erlebt. Der Einfluss des Menschen ist in der Wissenschaft nicht mehr umstritten, jedoch das genaue Wie und Wann.

 

Bei welcher Temperatursteigerung lässt sich die globale Erwärmung Ihrer Meinung nach bestenfalls aufhalten?

 

Hartmut Graßl: 2 Grad Celsius mittlere globale Erwärmung zum Ende des 21. Jahrhunderts gegenüber der Zeit vor Beginn der Industrialisierung ist ein hehres Ziel, das noch erreicht werden könnte, das allerdings nicht ohne massive Umverteilung des Wassers, weg von semi-ariden (Anm. d. Red.: arid = trocken, wüstenhaft) Gebieten hin zu schon gut versorgten, verwirklicht werden wird.

  

Was müssten wir dafür tun?

 

Hartmut Graßl: Wir brauchen ein neues Energieversorgungssystem, in dem die erneuerbaren Energien an erster Stelle stehen.

  

Was tun Sie dafür?

 

Hartmut Graßl: Ich erzeuge weit mehr elektrischen Strom aus regenerativen Energiequellen als ich verbrauche. Meine Flugreisen kompensiere ich durch Reduktion von Emissionen an anderen Stellen. Mein Hauptverkehrsmittel ist die Bahn.Zur Person Hartmut Graßl war bis zu seiner Emeritierung 2005 Hochschullehrer an der Uni Hamburg und Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie. Der 68-Jährige, der in Bayern aufgewachsen ist, leitete mehrere Jahre das Weltklimaforschungsprogramm der World Meteorological Organization in Genf, war im Zusammenhang mit dem Kyoto-Protokoll aktiv und ist Mitglied des NABU-Kuratoriums.

 

 

Extra

Das Programm des Regionalen Klimagipfels am 21. November im Cusanus-Gymnasium in Wittlich:

15 Uhr Eröffnung;

15.15 Uhr Film "A Crude Awakening. The Oil Crash";

16 Uhr Pause;

16.15 Uhr "Schwierigkeiten und Möglichkeiten einer kommunalen Energiewende" mit Richard Pestemer;

16.45 Uhr Vorstellung lokaler Beispiele: Solarverein, EnCon und Energieagentur der Lokalen Agenda 21 Trier;

18 Uhr Hauptvortrag mit Dr. Hartmut Graßl.

 

Kommentare

3 Kommentare
Michael Lambertz schrieb am 30.04.2009 15:05

Oh, die Wissenschaft ist ja so käuflich :-) Die angeblich wissenschaftlichen Vertreter der These, dass es globale Erwärmung schon immer gegeben habe, haben allesamt ausreichend kommerzielle Interessen, dies zu behaupten. Obwohl bei der zunehmenden Professionalisierung von NGOs ebenfalls auch dort ein Trend zur Selbsterhaltung erkennbar ist, scheinen sie dennoch unabhängiger zu sein als amerikanische Forscher an Instituten, die einen Großteil ihrer Einnahmen ExxonMobil verdanken (vgl. www.exxonsecrets.org). Ist ja praktisch, dann einfach mal zu behaupten, der Mensch habe trotz Übernutzung und jahrelanger Verseuchung der Umwelt mit all dem nichts zu tun. Nur leider nimmt Euch das heute keiner mehr ab.

Martin Wilhelm schrieb am 30.04.2009 14:47

Ergänzend zum Komentar von Herrn Kowatsch, füge ich hinzu,

dass man aus Eiskernbohrungen schließen dann, dass bisher das Co2 immer erst NACH der Erwärmung anstieg.

 

Dies widerspricht dem gängigen Dogma wonach CO2 zur gobalen Erwärmung führe.

 

Klimaschwankungen gab es schon immer. Was fürte zum Ergrünen und zum vereisen Grönlands?

Wer hat denn damals zuviel oder zuwenig verfeuert?

Josef Kowatsch schrieb am 09.01.2009 19:48

C02 ist ein lebensnotwendiges Gas, genauso wie Sauerstoff, ohne C02 sehe es auf der Erde aus wie auf dem Mond. Keine Pflanze hätte sich entwickeln können.

Wir Menschen emittieren nun vermehrt C02. Eine Ansammlung in der Athmosphäre würde die Erde erwärmen. Doch es ist schwerer als Luft, legt sich über die Erde - Gott sei Dank- denn für die Pflanzen wirkt es wie Dünger. Sie wachsen schneller und bauen deshalb C02 wieder ab. Wir haben einen Kreislauf.

Deshalb bezweifle ich, dass C02 zugenommen hat. Wo sind die Meßstationen in Europa, die eine Zunahme beweisen? Ich kenne keine einzige. Alle Vorhersagen gehen davon aus, dass C02 zugenommen hat bzw. zunehmen wird. Der Anstieg findet lediglich im Computer statt. Wir haben derzeit laut Literatur 0,035% C02. Das ist minimal. Auch eine 10%ige Zunahme von C02 wäre zu wenig, denn 10% von fast nichts ist immer noch nichts. Ich möchte aber noch auf etwas anderes aufmerksam machen. Ein C02 Anstieg hätte automatisch eine Sauerstoffabnahme zur Folge. Davon habe ich noch nie etwas gehört. Also: ich kenne keine Meßstation, die einen C02-Anstieg beweist und auch keine, die vor einer Sauerstoffabnahme warnt. Die Erwärmung muss andere Ursachen haben

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