9. Regionaler Klimagipfel
Thema: Nachhaltige Regionalentwicklung statt unbegrenztes Wirtschaftswachstum - neue Wege für eine ökologische Ökonomie
Datum: 4. September 2009
Uhrzeit: 14.00-19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Studienzentrum Karl-Marx-Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung, Johannisstraße 28, Trier
Veranstalter: Lokale Agenda 21 Trier e.V., Heinrich-Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz, VBB (Vereinigung Bürger für Bürger, Bernkastel-Wittlich) und Referat für Ökologie des AStA der Universität Trier
Festzustellen ist, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel global und regional/lokal nur noch von einer kleinen Minderheit innerhalb der Wissenschaft und der Bevölkerung geleugnet wird. Die hiesigen Regionalen Klimagipfel haben mit Vorträgen renommierter Klimaforscher und Akteure vor Ort ihren bescheidenen Anteil zu diesem Bewusstseinswandel beigetragen.
Es hat sich aber in den zum Teil heftig geführten Auseinandersetzungen gezeigt, dass ungeachtet der weit verbreiteten Erkenntnis eines hauptsächlich von Menschen verursachten Klimawandels, dennoch bislang keine durchgreifenden Maßnahmen zur wirksamen Verlangsamung beziehungsweise zum endgültigen Aufhalten des Klimawandels ergriffen worden sind.
Insbesondere auf dem 9. regionalen Klimagipfel thematisierten die eingeladenen Referenten dieses Problem angesichts der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise eingehend und versuchten, adäquate Antworten zu finden.
Gegenüber dem alternativlos erscheinenden Motto „there is no alternative/Es gibt keine Alternative“(TINA) eines konzerngesteuerten ICHGIER-getriebenen Turbokapitalismus, der dem Klimaschutz nur unter dem Aspekt von Profitmaximierung Bedeutung zukommen lässt, zeigten die Referenten Karl-Heinz Brodbeck und Volker Zotz auf der Grundlage buddhistisch-ethischer Gesichtsweisen auf, dass es außerhalb des europäischen Kulturkreises auch andere kulturell fundierte Analysen und Betrachtungen des „westlich-kapitalistischen“ politisch-ökonomischen Modells gibt.
Es gebe global zu dem eindimensional-verengten TINA- das TATA-Syndrom (" there are thousands of alternatives“). Neben den buddhistisch-ethischen Sichtweisen der Überwindung der ich-verhafteten Gier existierten noch mannigfache andere Sichtweisen außerhalb Europas auf allen Kontinenten.
Innerhalb der Diskussion unter den annähernd 50 TeilnehmerInnen zeigte sich, wie fruchtbar es sein kann, außer-europäische Sichtweisen zur Erklärung und Deutung für die Ursachen des Klimawandels als allumfassende Krisenzuspitzung des westlich-dominierten alternativlos erscheinenden Kapitalismus-Modell heranzuziehen.
Die Globalität des Klimawandels erfordert nach dem Agenda-Motto die Fähigkeit des Globalen Denkens und des jeweils lokalen Handelns. Die jeweils lokalen Handelnden geben dementsprechend jeweils regional und lokal in den eigenen Traditionen und Kulturen eingebundene Antworten.
Obwohl die wissenschaftlichen Befunde über den globalen Klimawandel und das Fortschreiten vorrangig ihren Ausgang im westlich-kapitalistischen Wirtschaftsmodell hätten, erwiesen sich die bislang propagierten, hauptsächlich politisch-technischen Antworten innerhalb der „westlich-fortschrittlichen Industrienationen“ auf den Klimawandel als nicht hinreichend, ja sogar als kontraproduktiv, wie es Niko Paech in seinem Vortrag zu den Konturen einer Postwachstumsökonomie aufgezeigt hat.
Denn, so Paech, alle technischen Substitutionsmaßnahmen von nicht-erneuerbaren Energie-Technologien auf erneuerbare Energie-Technologien hätten den erwünschten Effekt des Aufhaltens eines fortschreitenden Klimawandels nicht erbracht. Die Illusion bestehe darin, das insgesamt der weltweit ansteigende Energiebedarf – hier insbesondere durch die VR China und Indien – global zu minimieren sei. Der Verbrauchsanstieg könne lediglich verlangsamt werden. Wenn also nicht Suffizienz an die Stelle von Effizienz trete, sprich der Ausstieg aus der wachstumsfixierten hin zu einer selbstgenügsamen selbstversorgerischen Ökonomie angestrebt und auch realisiert werde, dann könne die kapitalistisch-immanente Logik – fest verankert in der westlich-kapitalistischen Ich-Gier, nicht überwunden werden.
Dies zeigte sich klar und deutlich beim vierten Vortrag von Ludwig Schuster, der über differenzierte Wachstums- und Währungsvielfalt (Stichwort REGIO-Geld-Modelle) referierte und dabei die fundamentalen Schwierigkeiten des Implementierens alternativer Wirtschafts- und Finanzansätze aufzeigte: Innovative Ansätze dürften der TINA-Ideologie nicht „in die Quere kommen“ beziehungsweise bestenfalls als Nischen-Ökonomie existieren.
Das Fazit des 9. Regionalen Klimagipfels lautet wie folgt: Die Tatsachen über die Ursachen – ökologisch, ökonomisch, sozial und kulturell – sind bekannt. Jetzt sollte es vor allem darum gehen, einen grundlegenden Systemwandel auf der Basis regional bedingter kultureller Eigenheiten zu vollziehen.
Download der Vorträge:
Dr. Niko Paech (Universität Oldenburg): "Konturen einer Postwachstumsökonomie: Klimaschutz, Suffizienz, De-Globalisierung und die Rolle der Regionen"
Dipl.-Ing. Ludwig Schuster (Berlin/Weimar): "Regiogeld in Zeiten der Finanzkrise. Komplementärwährungen nachhaltig und krisensicher gestalten"
Die Präsentationen von Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck (Fachhochschule Würzburg) und Prof. Dr. Volker Zotz (Universitäten Luxemburg und Saarbrücken) können als Video unter folgendem Link eingesehen werden: http://vimeo.com/6460742
Artikel lokaler Medien zum 9. Regionalen Klimagipfel:
Interview mit Niko Paech:
http://www.16vor.de/index.php/2009/09/08/wie-durstige-auf-einem-flos/
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