Auftaktveranstaltung am 17.01.2012
Rio+20: Nachhaltig unterwegs in der ältesten Stadt Deutschlands
Nachhaltig sei eine Entwicklung dann, so hat die Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung definiert, wenn sie es gegenwärtigen Generationen erlaube, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, ohne künftige Generationen im gleichen Bestreben zu beeinträchtigen. Sind wir diesem Ziel in den vergangenen 20 Jahren näher gekommen? Was hat die Weltgemeinschaft, die sich auf dieses Ziel verständigt hat, erreicht? Wo stehen wir in Deutschland? Oder sind nicht ganz neue Gefahren heraufgezogen, die das Ziel in noch weitere Ferne rücken?
Wir möchten Sie herzlich einladen, mit uns in das Jahr 2012 – 20 Jahre nach der Rio-Konferenz für Umwelt und Entwicklung – zu starten. Lassen Sie sich überraschen, wie unser Verein dieses Jubiläumsjahr begehen möchte.
Kommen Sie mit uns ins Gespräch und lassen Sie uns einen inspirierenden Abend genießen. Wir freuen uns auf Sie und euch!
Datum: 17. Januar 2012 • Zeit: 17 Uhr • Ort: Rokoko-Saal im Kurfürstlichen Palais.
Bitte beachten Sie, dass bei den Grußworten, Vorträgen, etc. das gesprochene Wort gilt. Die Version zum Download stellt lediglich eine Skizze der Rede dar.
Programmablauf:
- Musikalischer Auftakt: Markus Stoll Trio
- Begrüßung: Prof. Dr. Bernd Hamm, Vorsitzender des Lokale Agenda 21 Trier e.V.
- Begrüßung: Frau Dagmar Barzen, Präsidentin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion des Landes in Trier (PDF-Datei)
- Grußwort: Klaus Jensen, Oberbürgermeister der Stadt Trier (PDF-Datei)
- Grußwort: Roland Horne, Landeszentrale für Umweltaufklärung, Mainz (PDF-Datei)
- Musikalische Intermezzo
- Vortrag: 20 Jahre nach Rio: Wo stehen wir auf dem Weg zur Nachhaltigen Entwicklung?
Prof. Dr. Angelika Zahrnt, Ehrenvorsitzende des BUND, Mitglied des Nachhaltigkeitsrates der Bundesregierung (PDF-Datei) - Vortrag: Rio+20 – was folgt in Trier 2012?
Prof. Dr. Bernd Hamm, Vorsitzender des Lokale Agenda 21 Trier e.V. (PDF-Datei) - Musikalisches Intermezzo
- Eröffnungsempfang
Anmeldung erbeten unter rioplus20@
la21-trier.de oder +49 (0)651/ 991 77 52.
Bernd Hamms Leitgedanke zu Rio+20

- Prof. Dr. Bernd Hamm bei seiner Rede
Buntes Programm für ein brisantes Thema
Vor beinahe 20 Jahren, im Juni 1992, haben sich in Rio de Janeiro Vertreter von 178 Ländern an der Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung verpflichtet, der drohenden Vernichtung unserer biologischen Lebensgrundlagen Einhalt zu gebieten und die Welt auf den Weg eine Nachhaltigen Entwicklung umzusteuern, einer „Entwicklung, die es gegenwärtigen Generationen erlaubt, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, ohne künftige Generationen in eben diesem Bestreben zu beeinträchtigen“. Einstimmig verabschiedet wurde die Agenda 21, ein umfangreiches Handlungsprogramm zur Erreichung dieses Ziels; die Klimarahmenkonvention und die Konvention über die biologische Vielfalt sowie die Erklärungen über die Wälder und über die Bekämpfung der Ausbreitung der Wüsten.
Diese Konferenz war ein Meilenstein in mehrfacher Hinsicht: Sie war der Beginn einer Reihe von Weltkonferenzen der Vereinten Nationen (Menschenrechte 1993, Frauen 1994, soziale Entwicklung 1995 u.a.), deren Aktionsprogramme zusammen so etwas wie ein Inventar des nötigen Handelns, das soziale Gewissen der Welt darstellen. Sie war aber auch der Beginn eines Denkens, das unter dem Schlagwort „global denken, lokal handeln“ eindringlich darauf hinwies, dass wir alle in unserem alltäglichen Leben in den Städten und Gemeinden verantwortlich sind für den Zustand der Welt. Daraus ist eine weltweite Bewegung mit unzähligen Initiativen entstanden, die Lokalen Agenden 21, deren Teil unser Verein in Trier ist. Schließlich haben in Rio nicht nur die Vertreter der Regierungen getagt, sondern parallel dazu rund 3.000 Vertreter von Nichtregierungsorganisationen. Sie haben seither nicht nur das Handeln der Regierungen kritisch begleitet, sondern immer wieder auch die Verantwortung der Zivilgesellschaft hervorgehoben.
An die fortbestehende Aktualität der Ergebnisse dieser Konferenz will die LA21 im kommenden Jahr unter dem Titel Rio + 20 erinnern, gemeinsam mit vielen anderen weltweit. Wir haben uns vorgenommen, die Botschaft von Rio gerade auch an Menschen heranzutragen, die sich damit bisher wenig beschäftigt haben, weil sie – wie Kinder und Jugendliche – damals noch gar nicht geboren waren, weil sie andere Sorgen hatten, weil ihnen das alles zu weit weg war. Wir müssen verstehen und immer wieder betonen, dass es uns nur gut gehen kann, wenn es möglichst allen Menschen auf der Erde gut geht und wenn wir uns dabei im Rahmen dessen halten, was die Natur für unser Leben produzieren kann.
Bis Ende November werden wir ein umfangreiches Programm zusammenstellen, das bei der Auftaktveranstaltung am 17. Januar 2012 öffentlich vorgestellt wird. An diesem Tag wird Frau Prof. Dr. Angelika Zahrnt bei uns sein, die Ehrenvorsitzende des BUND und Mitglied des Nachhaltigkeitsrates der Bundesregierung, die 1992 als Mitglied der deutschen Delegation an den Verhandlungen in Rio teilgenommen hat. Und, so viel sei schon verraten, am 9. Februar werden wir die neu gegründete Energiegenossenschaft der LA21 vorstellen und für Mitglieder und Projekte werben.
Über das ganze Jahr verteilt schließen sich Veranstaltungen an, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richten und bei denen wir mit verschiedenen Partnern zusammenarbeiten: den Kammern, Verbänden, Kirchen, Unternehmen, Medien, Vereinen und Initiativen. An der diesjährigen Mitgliederversammlung wollen wir das Programm vorstellen.
Wie immer würden wir das rege Engagement der Mitglieder begrüßen! Und natürlich hoffen wir darauf, zahlreiche neue Mitglieder zu gewinnen und das Anliegen einer Nachhaltigen Entwicklung von Stadt und Region noch fester in der Bevölkerung zu verankern.
Resignation oder neue Hoffnung? --- Angelika Zahrnt

- Angelika Zahrnt zieht ihre Bilanz zu Rio+20.
Die Konferenz der Vereinten Nationen zu Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro stand für Aufbrauch und neues Denken. Nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation sollten die freigewordenen finanziellen, politischen, menschlichen Energien dafür eingesetzt werden, die zwei größten Probleme der Menschheit – Armut und Umweltzerstörung – gemeinsam angegangen und gelöst werden. Es wurde eine Konvention zum Schutz des Klimas und der Biodiversität verabschiedet und eine Agenda21, ein Programm für das 21. Jahrhundert, an dessen Umsetzung sich alle gesellschaftlichen Gruppen und die Politik auf allen Ebenen beteiligen sollte – international bis lokal. Die Idee der nachhaltigen Entwicklung sollte zum politischen Programm werden.
Zwanzig Jahre später findet in Rio wiederum eine UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung statt. Im Vorbereitungsprozess von Regierungen und UN-Treffen sind zwei Schwerpunkte für Rio +20 gesetzt worden: Die Reform der UN-Institutionen, die der UNEP der Umweltorganisation der Vereinten Nationen, ein größeres Gewicht und stärkere finanzielle Unabhängigkeit geben soll. Mit dem zweiten Schwerpunkt der Green Economy soll die Umwelt- und Entwicklungspolitik stärker mit Wirtschafts- und Industriepolitik verzahnt werden. Die Prinzipien nachhaltige Entwicklung sollen als Managementaufgabe in Politik und Wirtschaft international verankert werden. Damit soll Wirtschaftswachstum nachhaltig werden, in den Industriestaaten wie auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern.
Werden diese Konzepte ausreichen, Klimawandel und Artensterben zu stoppen? Ist die Rettung des Planeten vorrangig eine Aufgabe für Politiker, Manager und Techniker oder für die Gesellschaft als Ganzes und insbesondere für lokale Akteure? Fordern die vielfältigen und miteinander verbundenen Krisen nicht grundlegendere Veränderungen sowohl im Wirtschaftssystem, wie auch einen Wandel von Kultur und Lebensstil. Lassen sich die Konzepte von Nachhaltigkeit und Wirtschaftswachstum überhaupt vereinbaren?
Bei allem Wunsch, nach vorn zu blicken, ist die Analyse, warum die Hoffnungen, die mit Rio 1992 und dem Konzept der Nachhaltigkeit verbunden waren, sich nicht erfüllt haben (trotz vieler einzelner Fortschritte), nötig. Was bedeutet Rio +20 – Ernüchterung oder Erneuerung, Resignation oder neue Hoffnung?
