Global denken
1992, auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro, wurde von 179 Regierungschefs dieser Erde die Agenda 21 verabschiedet. Vom Wortsinn bedeutet Agenda (lat.), "das, was zu tun ist" bzw. (engl.) "das, was auf der Tagesordnung steht". Die Agenda 21 von Rio beschreibt das, was angesichts der globalen Krisen weltweit zu tun ist, was auf der globalpolitischen Tagesordnung steht. Sie ist ein Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert.
In 40 Kapiteln und (in der deutschen Fassung) auf knapp 300 Seiten werden Leitbilder zur Lösung der ökosozialen Weltprobleme formuliert und damit die Handlungsfelder und Lösungsstrategien für eine weltweite nachhaltige Entwicklung aufgezeigt.
Das Leitbild "sustainable development"
Das umfassende Leitbild der Agenda 21 für den Weg in die Zukunft, das Leitbild, das hinter all den Problemfeldern der Agenda 21 steht, heißt "sustainable development". Die Übersetzung ins Deutsche ist schwierig und gelingt nur ansatzweise. Als deutsche Übersetzungsvarianten haben sich durchgesetzt:
- "nachhaltige Entwicklung" in Anlehnung an das grundlegende Bewirtschaftungsprinzip im Waldbau,
- "dauerhaft-umweltgerechte Entwicklung", so der Sachverständigenrat für Umweltfragen,
- und "zukunftsfähige Entwicklung", so das Wuppertal Institut in der BUND/Misereor-Studie "Zukunftsfähiges Deutschland".
Alle Übersetzungen heben leider nur bestimmte Akzente (z.B. den Faktor Ökonomie, Zukunft oder Ökologie) hervor, ohne jedoch "sustainable development" umfassend in allen Facetten beschreiben zu können.
Das Leitbild "sustainable development" basiert auf zwei grundlegenden ethischen Wertentscheidungen:
- Jeder gegenwärtig lebende Mensch hat das gleiche Recht auf eine intakte Umwelt und das gleiche Recht, die gemeinsamen Güter der Menschheit zu nutzen.
- Auch zukünftige Generationen sollen die gleichen Lebenschancen haben. Das setzt eine dauerhafte Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen voraus.
Nachhaltige Entwicklung
Wir können nicht länger auf Kosten der 2. und 3. Welt, der Umwelt und unserer Kinder leben. Wir müssen lernen, so zu leben und zu arbeiten, dass wirklich alle Menschen (heutige und zukünftige Generationen, hier und in allen anderen Ländern der Erde) ihre Bedürfnisse befriedigen können und gleichzeitig unsere natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft gesichert werden.
Im Zuge einer nachhaltigen Entwicklung muss es gelingen, menschliches Handeln weitestgehend mit den Anforderungen der Ökologie, der Ökonomie, des Sozialen, der Lebensrechte der 2. und 3. Welt und der Lebensrechte zukünftiger Generationen zu verknüpfen, ohne dass das eine Vorrang vor dem anderen hat oder eins gegen das andere ausgespielt wird.