Kreislauf statt Wettlauf: Ambitionierte Diskussionen auf der Trierer Zukunftskonferenz 2019

Gemeinsam Ansatzpunkte für eine klimafreundliche und faire Ernährung in der Region finden: Das war die Aufgabe, der sich am Freitag, den 08.11.19, über siebzig ZukunftsgestalterInnen aus Trier und Region gestellt haben. Zur Trierer Zukunftskonferenz 2019 eingeladen hatten die Lokale Agenda, das Fach „Nachhaltige räumliche Entwicklung und Governance“ der Universität Trier und der Bauern- und Winzerverband Trier-Saarburg.

Der Impulsvortrag von Antje Bruns (Uni Trier) machte deutlich: Wir brauchen eine Ernährungs- und Agrarwende. Auf individueller und gesellschaftlicher Ebene benötigen wir einen Kurswechsel zu einer gesunden Ernährung und nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion.

Ernährung und Nahrungsmittelproduktion sind wichtige Stellschrauben für eine klimafreundliche und gerechte Gesellschaft. Momentan verbrauchen vor allem die Industrieländer mehr Ressourcen als global zur Verfügung stehen – oft zu Lasten der Menschen im Globalen Süden. Zugleich sieht sich die regionale Landwirtschaft dem Druck globalisierter Märkte und internationaler Regulierungen ausgesetzt und benötigt Zukunftsperspektiven. Diese sollten möglichst klimafreundlich sein, denn der Ernährungssektor ist für rund ein Viertel der klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich und wird somit für den Klimaschutz, der derzeit auf internationaler und nationaler politischer Ebene verhandelt wird, eine wichtige Rolle spielen. Um sich diesen Herausforderungen zu stellen, kamen in den Räumen der SWT verschiedene Initiativen und Unternehmen zusammen. Um drei miteinander zusammenhängende Themenschwerpunkte ging es in den zur Diskussion gestellten Projekten: ökologisch nachhaltige Nahrungsmittelproduktion, regionale Vermarktung der Produkte und Reduzierung von Lebensmittelabfällen.

Die Solidarische Landwirtschaft des Vereins Transition Trier produziert Gemüse in der Stadt und wird von ihren Mitgliedern finanziert. Die Mitglieder zahlen dabei nicht für die Produkte, sondern teilen sich die jährlichen Kosten als Solidargemeinschaft. (www.solawi-trier.de) Christoph Muthers hat die Vision, Trier komplett aus dem Umland mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln aus Permakultur zu versorgen. Das sei nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für die Erzeuger. Dass es geht, macht die französische Stadt Albi – ebenfalls Bischofssitz und UNESCO Weltkulturerbe-Stadt – bereits vor. Anschlussfähig an diese Idee ist die Öko-Marktgemeinschaft Saar-Pfalz-Hunsrück, die eine Gemeinschaft von Erzeugern bündelt und die mit ihrem eigenen Großhandel und Hauslieferservice gemeinsam Bioland- und Demeter-Produkte in der Region vermarkten. (www.oemg-sph.de) Up-Gardening Trier möchte ungenutzte Flächen in der Innenstadt nutzen und sie mit essbaren Kräutern und Pflanzen begrünen. Dazu sollen vor allem Häuserfassaden bepflanzt werden (www.facebook.com/UpgardeningTrier), was zudem positive Effekt für das Stadtklima und die innerstädtische Biodiversität hat. StadtGrün wertet nicht nur die städtischen Grünflächen ökologisch wertvoll auf, sondern stellt auch Baumpatenschaften zur Verfügung – und verschenkt ab sofort Blumenzwiebeln. (www.trier.de, StadtGrün Trier)

Das Myzelium will in Tier und Region weitere Food Coops gründen, die es den Bürgern ermöglichen soll, als Gemeinschaft ökologische und erschwinglich Lebensmittel zu beziehen. Nach diesem Solidarprinzip könnte auch eine Nahversorgung in ländlichen Kommunen gewährleistet werden (www.myzelium.com). Regiocart hat sich zum Ziel gesetzt, regionale Lebensmittel ohne Umwege nach Hause zu liefern, direkt vom Erzeuger, unabhängig von der Menge (www.regiocart.de). Eine Marktschwärmerei in Trier möchte das Unternehmen Pika Pika eröffnen: Dabei kaufen die Kunden ihre Lebensmittel über eine zentrale Plattform direkt beim Erzeuger ein und holen sie dann auf einem „Abholmarkt“ im Ort ab. Außerdem möchte Pika Pika einen Coworking-Space für Food-Start-Ups schaffen (www.pikapika.eu, www.marktschwaermer.de ).

Ähnlich wie es die Initiative Taste Before You Waste in verschiedenen europäischen Städten bereits praktiziert, schlägt Jonathan Hassel vor die Verschwendung von Lebensmitteln zu beenden, indem eine weitere Verwertungsstufe hinzukommt ein „Resterestaurant“ könnte geschaffen werden, in dem Überschüsse zentral verarbeitet werden.

Nach intensiven Diskussionen und einem fruchtbaren Austausch über existierende und geplante Projekte wurde sehr deutlich, dass ein Wandel hin zu einem nachhaltigen Anbau von und Umgang mit Lebensmitteln möglich ist. Dazu braucht es vor allem Zusammenarbeit und Vernetzung unter den verschiedenen Gruppen, aber auch politischen Willen und Mut, um klimafreundlichere Lösungen zu ermöglichen. Das kommt allen zugute: Umwelt, Bauern und Bevölkerung.

Die detaillierten Ergebnisse der erwähnten Projekte, was konkret noch für die Umsetzung benötigt wird und wie Sie sich selbst daran beteiligen können, finden Sie in unserem Beitrag

Zukunftskonferenz 2019 – Weiter geht’s!

Die Umsetzung der einzelnen Ideen ist natürlich zum großen Teil von vielen engagierten Bürgern abhängig. Zögern Sie nicht, die jeweiligen Beteiligten oder die Lokale Agenda 21 auf allen Kanälen zu kontaktieren, falls Sie Lust bekommen haben, die Ernährung in der Umgebung selbst mitzugestalten. Wir freuen uns!